Der Käfig


Ich sehe sie im Käfig herumirren. Auf meinem Strandspaziergang habe ich sie gefunden. Es sind seltsame Wesen. Ich sehe, dass ihr Gefängnis offen ist. Sie sind frei und dennoch gefangen. Gefangen nicht in einem Käfig, sondern von einem Gefängnis, das sie sich selbst auferlegt haben. Irgendetwas scheint sie zu halten. Doch was? Vielleicht fühlen sie sich zu Hause? Nein, denke ich, das kann nicht sein. Ihre Instinkte befehlen ihnen frei zu sein. Es muss etwas sein, das über dem liegt. Die Vögel sind ruhig und scheuen auch nicht, als ich näher herankomme. Sie sind eine seltsame Art von Vögeln. Vögel. Oder vielleicht doch Menschen? Sind wir nicht innerlich alle gefangen? In einem Käfig, abgeschlossen von uns selbst? Barrikadiert durch Dinge, die wir zwar fühlen, jedoch nicht verstehen können. Offen, und doch können wir die Tür nicht durchschreiten. Wir mögen uns frei fühlen, jederzeit in der Lage zu gehen, doch wer sagt uns, es ist nicht alles nur Illusion?

Der Käfigwächter


Ich sitze im Käfig mit dem Blick auf den Sand. Manchmal, wenn ein Windchen weht, weht der Vorhang von dem Käfig auf und ich seh‘ das Meer. Der Käfig ist offen und manchmal, wenn ich den Mut aufbringe, geh‘ ich auf die äußerste Klappe des Käfigs. Der andere hingegen traut sich nicht einmal in die Nähe der Stäbe. Aus unersichtlichen Gründen hat der Käfig Hände und Beine. In seiner rechten Hand hält einen Stock und manchmal, wenn er merkt, dass ich zu nah am Käfigrand bin stampft er mit den Stock auf den Boden. Am Anfang hatten wir noch den Blick auf das Meer, doch eines Tages, als wir beide rausfliegen wollten, schlug er mit dem Stock kräftig gegen den Käfig und drehte sich um, seit dem können wir nicht mehr aufs Meer schauen. Damit hat er unsere einzige Hoffnung zur Freiheit geraubt.

Der Reisende


Er saß auf einem Felsen nahe dem Wanderweg. Den Umhang über dem Käfig, um der Sonne kein Ziel zu bieten. Er blickt zurück auf den Weg, den er gegangen war, und den, den er noch gehen würde. Doch warum tut er das? Warum geht er nicht einfach Heim? Weil die Überzeugung sich in ihm eingemischt hat wie zwei Vögel. Er wird langsam müde, den Stock braucht er immer mehr zum Wandern. Vielleicht wird er sein Ziel nie erreichen. Jedoch wenn er es nicht erreicht, was passiert dann? Kann er seine Frau allein lassen und die Vögel verkümmern lassen nur, weil er nicht genug Kraft hat? Nein, er wird weiter laufen, solange, wie ihn seine Beine tragen, um seine Frau zu erreichen und die Vögel frei zu lassen.

Der Vogelmann


Er saß auf einer Düne, in einer Hand sein Gehstock, in der anderen ein Sack. Er ist alt geworden, saß schon Tage dort ’rum, ohne sich zu bewegen. Vögel hatten sich schon zu ihm gesellt und fühlten sich anscheinend ziemlich wohl an seinem Körper. Er musste endlich nicht mehr arbeiten gehen, fühlte sich frei wie ein Vogel, wusste aber nicht, was er ohne Arbeit tun könne und blieb regungslos sitzen. Als die Sonne unterging und es dunkel wurde, leuchteten die Sterne schimmernd am Nachthimmel, schon schlief er ein mit seinen Vögeln an seiner Seite, sowie die Sonne aufging, stand er auf und flog davon .

Der Vogelmann



Ich sitze hier, wie immer. Alleine. Mein Kopf ist leer, wie immer. Nur in meinem Körper breitet sich eine starke Unruhe aus .Aber warum? Meine Umgebung ist viel zu schön, um sie nicht genießen zu können. Der weiche Sand der Dünen, auf denen ich immer wieder meinen Platz wechsele. Das Wasser des Meeres, das den Strand hinauf und hinunter fließt. Und so sitz ich hier Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Doch auf das alles hier kann ich mich nicht einlassen. Denn die Unruhe bedrückt mich. Vor vielen Jahren lernte ich hier eine Frau kennen, die Liebe meines Lebens. Sie war wunderschön und hinreißend. Wir liebten uns bis zum Ende ihrer Tage, denn sie war schwer krank. Sie liebte Vögel, deshalb kehrte ich immer wieder an diesen Ort zurück, um alte Erinnerungen einzuholen und meine damalige Liebe im aufwirbelnden Sand zu sehen oder sie in den rauschenden Wellen zu hören. Deshalb trage ich die Vögel auch immer bei mir, um ständig was von ihrem Charakter und ihrer Seele zu spüren. Ich pflege sie auch äußerst ordentlich und trage immer einen Beutel voller Vogelfutter bei mir, damit es ihnen gut geht und sie sich wohlfühlen. So sitze ich immer noch hier, alleine, immer in der Hoffnung meine große Liebe wieder zu finden, obwohl ich weiß, dass sie unauffindbar ist.

Der Vogelmann


Er saß auf einer Düne mit einem Stock und einem Sack. Die Atmosphäre war sehr entspannt. Der Vogelmann trug einen Hut, doch sein Kopf war nicht zu erkennen.
Ein roter Vorhang machte seinen Oberkörper unsichtbar.
Und auf seinem Schoß lag ein Käfig mit zwei weißen Vögeln.
Die Vögel warteten jeden Tag auf den Vogelmann und flogen sogar in seinen Käfig, weil sie ihm vertrauten. Es schien so, als könnte er mit ihnen kommunizieren. In der einen Hand hatte er immer einen großen Sack, gefüllt mit Vogelfutter. Er sagte nie ein Wort, der Ort war immer ruhig, man hörte nur das Rauschen der Wellen und den Wind, der pfiff.

Am Strand


Am Strand, warm, sonnig und ruhig, nur das laute Rauschen der Wellen. Hier sitzt ein Mann, mit einem Käfig als Körper und doch mit Hut und Schuhen. Er hat einen Wanderstock und eine Tasche. In dem Käfig sitzen weiße Vögel. Der Käfig ist offen und hat eine Plattform. Doch der Mann hat keinen Kopf und doch scheint es, als könne er sehen. Die Vögel zwitscherten fröhlich, obwohl der eine im Käfig saß. Der andere Vogel, welcher nicht im Käfig saß, flog jedoch nicht weg. Die Vögel waren wunderschön und jeder Strandbesucher wollte sie haben, hatte aber Angst vor dem Mann mit dem Käfig als Oberkörper.

Der Vogelmann


Am Strand, warm und ruhig, an dem man nur das Rauschen der Wellen und den leisen Wind hört. Als ein Fußgänger einen seltsamen Mann mit einem Taubenkäfig als Oberkörper auf einer Düne sah, hat er sich sehr gewundert. Er fand diese Erscheinung an sich schon äußerst seltsam, aber die Tatsache, dass zwei Tauben in seinem Käfig sind, welcher offen ist, fand er zunehmend verwirrend. Der Fußgänger fragte sich, wieso und wie lange die Tauben schon in seinem Käfig seien, als ihm der Mann zuflüsterte, dass sie ihn schon die ganze Zeit begleiten. Der Fußgänger wusste nicht, wie der Mann ohne einen Kopf reden konnte, ging aber weiter zu seinem Haus und schlief ein. Am nächsten Tag dachte er, die Begegnung mit dem Mann sei ein Traum gewesen, und ging ganz normal wieder zur Arbeit.

Der Vogelmann


Ein Mann, mittleren Alters, nahm sich täglich Zeit an den Strand zu gehen, die Atmosphäre zu genießen und seine geliebten Vögel zu beobachten. Sie waren auf ihn angewiesen, da er sie jedes Mal fütterte und er eine besondere Bindung zu ihnen hatte. Die Vögel bedeuteten ihm mehr als sein eigenes Wohl. Sie warteten jede Sekunde sehnsüchtig auf seine Rückkehr und flatterten in heller Aufregung auf ihn zu, um ihn zu begrüßen, wenn er wieder kam.
Da sein einziger Lebenssinn die Vögel waren, merkte er nicht, dass er schwer krank wurde. Nach einiger Zeit war es so schlimm, dass er einen Zusammenbruch hatte. An diesem Punkt realisierte er erst, wie krank er wirklich war. Daraufhin lies er sich schweren Herzens in eine Klinik einweisen, um Genesung zu erlangen. In dieser stellte man fest, dass er einen angeborenen Herzfehler besaß, welcher durch den Zusammenbruch ausgeprägter wurde.
Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend, denn er hatte keine Möglichkeiten, seine geliebten Vögel zu besuchen und sich um sie zu kümmern. Ab und zu brach er aus, um sie zu besuchen. Jedoch ging es ihnen von Mal zu Mal schlechter, was seine Genesung auch nicht unterstützte. Er wurde immer schwächer und konnte erst nach mehreren Jahren zu seinen Vögeln zurückkehren. An diesem Tag endete alles. Er konnte seinen Augen nicht trauen. Er wusste nicht, wie ihm geschah. Wo einst der Strand war, erstreckte sich nun ein endlos graues und tristes Industriegebiet. Wie in Trance machte er sich auf die Suche nach seinen geliebten Vögeln, doch alles, was er fand, war eine Feder bedeckt von Staub. Er drückte sie an sein lebloses, faltiges Gesicht, das die grausamen Züge des Lebens widerspiegelte. Die Feder, fest an sich gedrückt, stieß er seine letzten Atemzüge aus, mit dem Gedanken, war ich gut zu Vögeln?

Der Vogelmann


Ich saß auf der Düne am Strand, wie ich es jeden Mittwoch tue.
Ich hatte meine Vögel dabei. Sie waren mittlerweile so zahm,
dass ich keine Angst haben muss, dass sie das Weite suchen,
wenn ich die Tür zu ihrem Käfig öffne.
Das Tuch, welches ich zum Abdecken des Käfigs und zum Schutz meinerselbst vor Wind verwende, hängt über den Käfig und an meinen Beinen herunter.
Ab und zu fliegt einer meiner Vögel eine Runde, um mir die Umgebung zu zeigen.
Ich sehe, was sie sehen.
Sie sind mein zweites Paar Augen und Ohren.
Ich sitze hier und sehe die Menschen, die mich ansehen, als wäre ich nicht von dieser Welt.
Und manchmal denke ich, dass sie recht haben könnten. Ihre Angewohnheiten und die Sprache der Menschen, sie sind mir suspekt.
Jedes mal, wenn meine Vögel in ihrem Käfig sind, fühle ich mich, wie ich mich immer fühlte.
In mir selbst eingeschlossen, in mich gekehrt, für andere unerreichbar.
Wenn die Tür des Käfigs offen steht, fühle ich mich besser.
Ich fühle mich wohl, dort am Strand auf der Düne, mit geöffneter Käfigtür
Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen, muss mich nicht anpassen.
Hier auf der Düne, umgeben von Sand, der frischen, salzigen Luft des Meeres und dem Licht, das durch die Augen meiner Vögel scheint.
Hier, auf dieser Düne, hier lebe ich.

Der Vogelmann


Ein Mann saß auf einer Düne am Meer. Das Meer war ruhig und die Luft war gut. Er stütze sich mit der rechten Hand mit einem Gehstock ab. In der linken Hand hielt er seine Jacke. Außerdem war er stattlich gekleidet. Man sah nur seinen Hut und seine Beine. Der Rest des Körpers wurde durch einen Vogelkäfig, in dem zwei Tauben gefangen waren, ersetzt. Der Käfig wurde mit einem roten Tuch abgedeckt. Er war in sich selber gefangen, als hätte er nie die Möglichkeit gehabt, sich zu befreien. Er wirkte friedlich, doch ihm fehlte die Freiheit. Vielleicht hatte es ihn zum Meer verschlagen, um nachzudenken, wie er sich am besten befreien könnte. Immerhin war er schon alt, es wäre an der Zeit sich zu befreien. Doch diese Entscheidung liegt bei ihm.

Der Vogelmann


Er sitzt auf einer Düne. Die Atmosphäre ist sehr entspannt. Der Vogelmann kommt jeden Tag, egal ob Regen, Schnee oder Hagel, er ist jeden Tag da.
Die Vögel warten jeden Tag auf den Vogelmann und fliegen sogar in seinen Käfig weil sie ihm vertrauen. Es scheint so, als könnte er mit ihnen kommunizieren. In der einen Hand hat er immer einen großen Sack gefüllt mit Vogelfutter. Er sagt nie ein Wort, der Ort ist immer ruhig, man hört nur das Rauschen der Wellen und den Wind, der pfeift.

Der Vogelmensch


Ich lief die Dünen entlang, wie jeden Tag. Doch heute war es anders. Es war so vertraut und doch so anders. Ich sah ein Wesen und mag gar nicht erst spekulieren, ob oder welches Lebewesen es ist. Es hat Beine und Arme wie ein Mensch, jedoch anstelle eines Oberkörpers einen Käfig mit zwei Vögeln. Der Käfig steht offen, so dass die Vögel hinaus fliegen könnten.
Diese Chance ergreifen sie nicht. Sie sitzen ruhig da und reagieren auf keinen Einfluss von außen. Ich sprach es an, jedoch nahm ich keine Reaktion auf meine Frage wahr. Erst jetzt bemerkte ich den Hut. Es kam mir immer merkwürdiger vor und ich bekam Angst. Ich rannte weg, doch entgegen meiner Erwartung war keine Regung des Geschöpfes zu sehen.

Die Tauben, die sie liebte


Es ist wirklich schön hier. Das Meer ist klar und himmelblau. Es ist warm und keine einzige Wolke schwebt am Himmel. Schon fast 10 Jahre ist es jetzt her, an dem ich meine geliebte Frau verloren habe. Ein betrunkener Fahrer hat sie an der Kreuzung gerammt und das Auto ging sofort in Flammen auf. Der Rettungswagen traf wenig später ein und die Ärzte zogen ihren leblosen Körper aus dem völlig zerstörten Wagen, doch mysteriöserweise haben ihre Tauben ohne jeden Kratzer überlebt. Vielleicht wollte Gott es so, vielleicht hat alles einen Sinn, doch ich kann ohne meine Frau nicht mehr leben und deshalb geh ich jeden Tag zum Strand, dahin, wo es keine Probleme gibt, nur die Wolken und das Rauschen der Meere. Ich halte es zu Hause einfach nicht mehr aus, an dem Ort, wo ich jeden Tag meine Frau sah und liebte. An dem Ort, wo wir unsere Kinder großzogen und diese sonderbaren Tauben lebten. Warum konnte meine Frau nicht überleben und die Tauben sterben? Jetzt hab ich nur noch diese Tauben als Erinnerung an meine wunderschöne Frau.

Ich fühl mich wie in einem Käfig gefangen und jeden Tag stell ich mir die Frage, ob es das Universum so wollte und mir mit ihrem Unfall ein Zeichen gab. Ich bin nun am Strand angekommen und es wird Zeit, dass ich mich von der Welt verabschiede und zu meiner Frau in den Himmel gehe. Ich lasse nun die Tauben aus dem Käfig, richte die Waffe an meine Schläfe, um für immer mit meiner Frau im Paradies zu leben.

Der Vogelmann

Nach langer, endloser Zeit erreichte er sein Ziel.
Bestückt mit Hut und schwerem Mantel
machte es sich der alte Mann auf sandigen Boden
inmitten von unzähligen Dünen bequem.
Im Hintergrund spiegelte sich die Sonne
im tiefblauen Ozean.
Die Uhr schlug punkt sechs und
sein Herz fing schneller an zu schlagen.
Tag für Tag freute er sich auf diesen, für ihn, kostbaren Moment.
Ein Schwarm von wunderschönen, weißen Tauben
flog über seinen Kopf hinweg, drehte ein paar Runden über ihm
und veschwand schließlich über den Tiefen der Meere.
Wie gern würde er selbst eine sein,
niemals das Gefühl von Einsamkeit und Trauer spüren,
welches er tagtäglich ertragen muss.
"Ach wäre ich nur so frei wie sie", flüsterte er
und machte sich auf den Heimweg.

Der Vogelmann

Er saß auf einer Düne. Von weitem sah er aus wie ein ganz gewöhnlicher Mann, und an einem schönen Tag wie diesem, am Meer, kam es auch sehr häufig vor, dass dort Leute in der Sonne sitzen. Doch beim Näherkommen fallen ein paar Dinge auf. Er trägt einen Hut, doch einen Kopf besitzt er nicht. In der linken Hand hält er einen Sack und in der rechten Hand seinen Wanderstock. Es wird erzählt, dass er in dem Sack Futter hat und das Futter ist für seine Tauben. Denn das Wichtigste ist, dass er statt einem Oberkörper einen Käfig besitzt. Seine Tauben fliegen mehrmals am Tag mit Zetteln zu ihm, doch wenn sie von ihm wegfliegen tragen sie keine Zettel mehr. Niemand hat versucht sie zu zählen, denn niemand weiß, ob es immer die Selben sind. Unbekannt ist der Mann auch nicht. Jeder im Land kennt ihn, doch niemand weiß etwas Genaues über ihn. Es wird gesagt, dass er alle Verschwörungen, Vorgänge und Sonstiges im Land kennt.

Der Vogelmann

Es war ein Sommertag .Wie jeden Tag lief ich meine gewohnte Route. Das Wetter war schön und das Meer rauschte vor sich hin. Das Schilf auf den Dünen wehte im warmen Sommerwind. Ich schloss meine Augen und entspannte ein paar Sekunden und als ich die Augen wieder aufmachte, sah ich etwas auf einer Düne. Erst unscharf, doch mit jedem weiteren Schritt sah ich es schärfer. Es war ein Vogelkäfig, der auf den Beinen eines Mannes stand. In dem Käfig waren zwei Vögel. Der Käfig war offen und die Vögel hätten davon fliegen können, doch sie taten es nicht. Es wirkte so, als ob die Vögel an den Käfig gebunden waren oder an die Person, die hinter dem Käfig saß. Die Person hatte ihren Spazierstock in der rechten Hand und in der linken Hand einen Sack. Über dem Käfig lag ein rotes Tuch, es bedeckte auch die Arme des Mannes und auf dem Tuch lag ein Hut. Beim Vorbeilaufen erkannte ich die Person hinter dem Käfig nicht genau. Ich fühlte mich unwohl und ging schnell weiter, unsicher ob hinter dem Käfig eine Person saß.

Gefangen

Der Käfig in meinem Inneren ist eisern und fest. Die Gitter sind aus festem Stahl und lassen sich nicht einmal ein Stückchen verbiegen. Das Schloss, welches meine Tür verschlossen hält, ist so stabil wie sonst nichts. Es ist dunkel, zu dunkel. Sehen kann ich nichts, nur spüren. Ich spüre die Kälte, die Angst und die Nässe, die mit jedem Moment der vergeht, intensiver wird, bis die Zeit gekommen ist, in der ich in mir selbst zerfalle. Ich würde lieber sehen als spüren, um dem endlosen Gefühl des Unterlegenseins ein Ende zu setzen. So sehr ich schreie und an den Gittern meines Käfigs rüttle, es hört mich niemand, es kommt niemand. Es ist beinahe so, als würde nur ich selber mich verstehen. Er hält mich gefangen, lässt mich nicht raus, werde ich es jemals schaffen zu entkommen? Was bleibt mir anderes, als es zu versuchen oder hier von Einsamkeit umgeben zu verrotten? Die Zeit ist reif, ich bin bereit. Mein Hochmut steigt über meine Scheu hinaus und ich werde alles tun, um zu fliehen. Auch wenn ich nicht weiß, was dort draußen auf mich wartet. Der Käfig jedoch lässt sich nun mit Leichtigkeit öffnen. Ein kleiner Stoß reicht, um die einst eiserne und schwere Tür zu öffnen.

Der Taubenmann und seine Liebesgeschichte


Es war ein bewölkter und leicht windiger Tag. Ich sah ein paar Familien am Strand spazieren gehen, manche Väter tobten mit ihren Kindern am Meer und die Mütter grinsten immer ganz stolz. 2 Paare liefen Hand in Hand an mir vorbei und sahen sehr glücklich aus. Ich hingegen, war eher um ein bisschen Frische Luft zu schnappen am Strand, hatte mich gerade mit meinen Eltern gestritten. Ich wollte einfach nur den Kopf frei kriegen und ein wenig über meine allgemeine Lebenssituation nachdenken. Nun kuschelte ich mich in meinen Schal ein und steckte meine Hände in meine Jackentaschen. Ich genoss es als eine Windböe durch meine Haare wehte und schaute mich nebenbei ein wenig um. Kinder standen an der Strandpromenade und ließen ihre bunten Drachen steigen. Als ich meinen Blick gerade wieder lächelnd zum Meer richten wollte, sah ich einen älteren Mann, ich schätze ihn auf 65 Jahre. Er sah traurig auf den Sand hinab und zeichnete immer wieder etwas in den Sand hinein, doch irgendwas war komisch, irgendetwas stimmte nicht. Ich lief immer schräger in Richtung zu ihm und versuchte es so unauffällig wie möglich zu machen. Umso näher ich zu ihm kam erblickte ich immer und immer mehr etwas Goldenes hinter den Dünen. Apropos, sind die Dünengänge nicht immer gesperrt ? Er darf dort doch eigentlich gar nicht sitzen, aber das war ihm dann wohl auch egal. Ich war immer noch sehr verwundert über das ungefähr 1m hohe etwas, was neben ihm stand, doch als ich fast bei ihm war, erkenne ich langsam, das es so eine Art Käfig war wo 2 unglaublich schöne, schon Bilderbuch-weiße Tauben drin waren. Doch was hatte das alles zu bedeuten? Es trennten uns nur noch wenige Meter als er mich plötzlich erblickte und ein wenig erschrak. „Entschuldigung, ich wollte sie nicht erschrecken“ sagte ich lächelnd. „Nein, nein.“ antwortete er. „Sie sehen ganz schön traurig aus, kann ich etwas für sie tun?“ „Ach…, wenn du meine große Liebe zurück holen kannst, dann so schnell wie möglich bitte.“ Sagte er ruhig. Ich war etwas geplättet, mit so einer Antwort habe ich nicht gerechnet. Definitiv nicht. Langsam sah ich auch, wie er einen Namen geschrieben hatte. Es wird mir immer mehr bewusst, das heute einfach nur ein blöder Tag ist, für mich, für ihn und bestimmt auch für viele weitere Menschen auf unserem Planeten. „Erzählen sie mir ihre Geschichte“ sagte ich freundlich „Es tut ihnen gut, glauben sie mir. Es hilft uns Menschen, wenn sie mit jemanden über etwas reden, was sie bedrückt.“ „Okay.“ „Danke.“ Ich sage es vertraut, denn er wird mir immer sympathischer und ich weiß nicht warum. „Ich bin seit einem Jahr Todunglücklich.“ Er machte eine etwas längere Pause. „Ich habe vor genau 41 Jahren eine ganz besondere Frau kennengelernt, damals war sie gerade eine frische Frau, noch so jung.“ Der ältere Mann lächelte glücklich und sah auf’s Meer. „Sie hatte lange, und glatte braune Haare, meeresblaue Augen, die immer so schön strahlten, wenn sie gelacht hat. Echt zum verlieben. Sie war schlank und wirklich hübsch. Wir lernten uns auf einer damaligen Strandparty kennen, die im Sommer fast jeden Abend stattfand. Sie kam auch aus Leipzig, so wie ich. Das lustige war, das sie gar nicht weit weg von mir studierte. Naja auf jeden Fall hatten wir uns verdammt gut verstanden, blieben auch im Kontakt weiterhin. Als wir uns dann anfingen, immer öfter zu sehen und gemeinsam mehr zu machen, hatten wir uns etwas aufgebaut. Es dauerte 1 Jahr…. Oh ja ! Sie hat mich echt zappeln lassen.“ Er grinste wieder. „Wir waren 2 Jahre zusammen als wir in eine gemeinsame Wohnung zogen. Irgendwann nach weiteren 5 Jahren, hatten wir beschlossen, das wir etwas raus wollen. Irgendwo hin wo schöne, frische und saubere Luft ist. Irgendwo an’s Meer. Es hat kein Jahr gedauert und wir haben dort…“ Er zeigte mit seinem Finger auf ein Haus, etwas versteckter, mit Strandzugang. Es war ungefähr 500m weg. „Dort zogen wir hin. Man es war alles perfekt. Wir bauten uns ein so schönes gemeinsames Leben auf. Niemand hat uns hier gestört, keiner. Wir haben geheiratet, sogar mit weißen Tauben, waren in einer glücklichen Ehe, reisten viel um die Welt, gingen jeden Abend gemeinsam am Strand spazieren und vieles mehr.“ Er blickte zu mir auf und lächelte. „Erzählen sie weiter, es ist toll! Ich mag ihre Liebesgeschichte!“ Verzögert fing er an weiter zu erzählen. „Nun ja.. Vor 3 Jahren, kam sie au eine total niedliche Idee und sagt mir, das wir uns weiße Tauben holen sollten, für den Frieden. Da alles so schön in unserer gemeinsamen Zeit war und es bis zum Lebensende weiterhin so friedlich sein soll. Heidi, so hieß sie, sah sehr süß dabei aus als sie mich versucht hatte zu überzeugen. Hat es aber einfach nicht geschafft. Wissen sie, sie las unheimlich gerne Bücher und für sie war alles immer so perfekt. Jeden Sommerabend, saß sie schaukelnd in der Hollywoodschaukel auf unserer Veranda und verschlang ihre Bücher“ und sah mich an. Er blickte mit friedlich auf den Boden. „Aber das war es gerade, es war immer schön mit ihr, wir waren total zufrieden mit unserem Leben. Bis sie eines Tages krank wurde, sie bekam Krebs. Und plötzlich war es nicht mehr ganz so perfekt. Ich kaufte ihr sogar 2 weiße Tauben.“ „Diese hier?“ Ich zeigte auf den schönen goldenen Käfig. „Ja. Diese. Ich brachte sie zu ihr an’s Krankenbett mit Tränen in den Augen. Ich stellte sie ab, kniete mich vor sie, nahm ihre Hand und sagte ihr, dass ich sie für sie geholt habe. Sie sollen für den Frieden da stehen, keiner solle uns trennen können. Wir hätten es einfach nicht verdient …Ich weiß es noch wie, als wäre es gestern gewesen. Sie hatte den Krebs nach einem halben Jahr besiegt. „Das hört sich doch, dann alles toll an, wenn sie ihn wieder besiegt hat? Wo ist sie denn jetzt? Haben sie sich gestritten? Wenn ja ruf ich sie gleich eben an und bestell sie her und verbi-“ „Sie ist heute vor genau einem Jahr an einem Herzinfarkt gestorben“ Ich war noch nie so geschockt wie in diesem Augenblick. Das kann doch nicht wahr sein? Eine glückliche Liebe wie in einem Film oder Roman? Ein wunderschönes Leben, hatte dieser ältere Mann. Er hat es einfach nicht verdient. „Es tut mir leid.“ „Ach, das ändert es auch nicht.“ Seine verbrauchten, kleinen Augen füllten sich mit Tränen und er konnte sie nicht mehr halten. Sie flossen wie ein Wasserfall. „Ich wollte diese Tauben nun frei lassen, ihnen die Freiheit schenken, denn in meinem Herzen wird sie immer bleiben. Ob mit Taube oder ohne Taube, niemand kann uns trennen, wie gesagt.“ In dem Moment, öffnete er den Käfig und die Tauben flogen in ihre Freiheit. „Ein Glück wissen sie, das sie es nicht verdient haben.“ Er blickte zu mir auf und lächelte.