Der Käfig


Ich sehe sie im Käfig herumirren. Auf meinem Strandspaziergang habe ich sie gefunden. Es sind seltsame Wesen. Ich sehe, dass ihr Gefängnis offen ist. Sie sind frei und dennoch gefangen. Gefangen nicht in einem Käfig, sondern von einem Gefängnis, das sie sich selbst auferlegt haben. Irgendetwas scheint sie zu halten. Doch was? Vielleicht fühlen sie sich zu Hause? Nein, denke ich, das kann nicht sein. Ihre Instinkte befehlen ihnen frei zu sein. Es muss etwas sein, das über dem liegt. Die Vögel sind ruhig und scheuen auch nicht, als ich näher herankomme. Sie sind eine seltsame Art von Vögeln. Vögel. Oder vielleicht doch Menschen? Sind wir nicht innerlich alle gefangen? In einem Käfig, abgeschlossen von uns selbst? Barrikadiert durch Dinge, die wir zwar fühlen, jedoch nicht verstehen können. Offen, und doch können wir die Tür nicht durchschreiten. Wir mögen uns frei fühlen, jederzeit in der Lage zu gehen, doch wer sagt uns, es ist nicht alles nur Illusion?

Der Käfigwächter


Ich sitze im Käfig mit dem Blick auf den Sand. Manchmal, wenn ein Windchen weht, weht der Vorhang von dem Käfig auf und ich seh‘ das Meer. Der Käfig ist offen und manchmal, wenn ich den Mut aufbringe, geh‘ ich auf die äußerste Klappe des Käfigs. Der andere hingegen traut sich nicht einmal in die Nähe der Stäbe. Aus unersichtlichen Gründen hat der Käfig Hände und Beine. In seiner rechten Hand hält einen Stock und manchmal, wenn er merkt, dass ich zu nah am Käfigrand bin stampft er mit den Stock auf den Boden. Am Anfang hatten wir noch den Blick auf das Meer, doch eines Tages, als wir beide rausfliegen wollten, schlug er mit dem Stock kräftig gegen den Käfig und drehte sich um, seit dem können wir nicht mehr aufs Meer schauen. Damit hat er unsere einzige Hoffnung zur Freiheit geraubt.

Der Reisende


Er saß auf einem Felsen nahe dem Wanderweg. Den Umhang über dem Käfig, um der Sonne kein Ziel zu bieten. Er blickt zurück auf den Weg, den er gegangen war, und den, den er noch gehen würde. Doch warum tut er das? Warum geht er nicht einfach Heim? Weil die Überzeugung sich in ihm eingemischt hat wie zwei Vögel. Er wird langsam müde, den Stock braucht er immer mehr zum Wandern. Vielleicht wird er sein Ziel nie erreichen. Jedoch wenn er es nicht erreicht, was passiert dann? Kann er seine Frau allein lassen und die Vögel verkümmern lassen nur, weil er nicht genug Kraft hat? Nein, er wird weiter laufen, solange, wie ihn seine Beine tragen, um seine Frau zu erreichen und die Vögel frei zu lassen.

Der Vogelmann


Er saß auf einer Düne, in einer Hand sein Gehstock, in der anderen ein Sack. Er ist alt geworden, saß schon Tage dort ’rum, ohne sich zu bewegen. Vögel hatten sich schon zu ihm gesellt und fühlten sich anscheinend ziemlich wohl an seinem Körper. Er musste endlich nicht mehr arbeiten gehen, fühlte sich frei wie ein Vogel, wusste aber nicht, was er ohne Arbeit tun könne und blieb regungslos sitzen. Als die Sonne unterging und es dunkel wurde, leuchteten die Sterne schimmernd am Nachthimmel, schon schlief er ein mit seinen Vögeln an seiner Seite, sowie die Sonne aufging, stand er auf und flog davon .

Der Vogelmann



Ich sitze hier, wie immer. Alleine. Mein Kopf ist leer, wie immer. Nur in meinem Körper breitet sich eine starke Unruhe aus .Aber warum? Meine Umgebung ist viel zu schön, um sie nicht genießen zu können. Der weiche Sand der Dünen, auf denen ich immer wieder meinen Platz wechsele. Das Wasser des Meeres, das den Strand hinauf und hinunter fließt. Und so sitz ich hier Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Doch auf das alles hier kann ich mich nicht einlassen. Denn die Unruhe bedrückt mich. Vor vielen Jahren lernte ich hier eine Frau kennen, die Liebe meines Lebens. Sie war wunderschön und hinreißend. Wir liebten uns bis zum Ende ihrer Tage, denn sie war schwer krank. Sie liebte Vögel, deshalb kehrte ich immer wieder an diesen Ort zurück, um alte Erinnerungen einzuholen und meine damalige Liebe im aufwirbelnden Sand zu sehen oder sie in den rauschenden Wellen zu hören. Deshalb trage ich die Vögel auch immer bei mir, um ständig was von ihrem Charakter und ihrer Seele zu spüren. Ich pflege sie auch äußerst ordentlich und trage immer einen Beutel voller Vogelfutter bei mir, damit es ihnen gut geht und sie sich wohlfühlen. So sitze ich immer noch hier, alleine, immer in der Hoffnung meine große Liebe wieder zu finden, obwohl ich weiß, dass sie unauffindbar ist.

Der Vogelmann


Er saß auf einer Düne mit einem Stock und einem Sack. Die Atmosphäre war sehr entspannt. Der Vogelmann trug einen Hut, doch sein Kopf war nicht zu erkennen.
Ein roter Vorhang machte seinen Oberkörper unsichtbar.
Und auf seinem Schoß lag ein Käfig mit zwei weißen Vögeln.
Die Vögel warteten jeden Tag auf den Vogelmann und flogen sogar in seinen Käfig, weil sie ihm vertrauten. Es schien so, als könnte er mit ihnen kommunizieren. In der einen Hand hatte er immer einen großen Sack, gefüllt mit Vogelfutter. Er sagte nie ein Wort, der Ort war immer ruhig, man hörte nur das Rauschen der Wellen und den Wind, der pfiff.

Am Strand


Am Strand, warm, sonnig und ruhig, nur das laute Rauschen der Wellen. Hier sitzt ein Mann, mit einem Käfig als Körper und doch mit Hut und Schuhen. Er hat einen Wanderstock und eine Tasche. In dem Käfig sitzen weiße Vögel. Der Käfig ist offen und hat eine Plattform. Doch der Mann hat keinen Kopf und doch scheint es, als könne er sehen. Die Vögel zwitscherten fröhlich, obwohl der eine im Käfig saß. Der andere Vogel, welcher nicht im Käfig saß, flog jedoch nicht weg. Die Vögel waren wunderschön und jeder Strandbesucher wollte sie haben, hatte aber Angst vor dem Mann mit dem Käfig als Oberkörper.